Verletzte Gefühle

Effektive Paarkommunikation Teil 6
Kann man Gefühle verletzen?

Häufiger noch als Männer klagen Frauen über verletzte Gefühle. Aber kann man Gefühle überhaupt verletzen?

Gefühle unterscheiden uns von den Echsen. In diesem Artikel werden die beiden wohl wichtigsten Punkte behandelt, nämlich die Ignoranz eigenen und fremden Gefühlen gegenüber.

662 Wörter, Lesezeit ca. 4,5 Minuten

Gefühle kann man nicht verletzen – Effektive Paarkommunikation Teil 6

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Verletzte Gefühle in der Beziehung

Sie fühlen sich möglicherweise häufig verletzt. Verletzte Gefühle sind Reaktionen, für die wir anderen die Verantwortung (die Schuld) geben wollen. Zu sagen, man fühle sich verletzt durch das, was der andere sagt, ist häufig nur ein Trick, um seine eigenen Gefühle nicht wahrnehmen und ausdrücken zu müssen. Zwei Beispiele:

Eine Frau beschwert sich bei Ihrem Mann darüber, dass er zu viel über seinen Stress jammert. Er fühlt sich verletzt und nicht wahrgenommen in seiner Leistungsfähigkeit. Aber möglicherweise hat er zuvor die Konfrontation mit seinem Chef gescheut und ihm nicht gesagt, wie sehr er sich unter Druck fühlt. Seine Frau hat jetzt die Nase voll davon, dass er keine Verantwortung für sein eigenes Wohlbefinden übernimmt.

Ein Mann findet den Sex mit seiner Frau nur mittelmäßig spannend und sowieso zu selten. Sie fühlt sich verletzt in ihrer Weiblichkeit und merkt, dass so die Lust noch weiter verschwindet. Aber möglicherweise hat sie versäumt, ihm zu sagen, was ihr wirklich gut gefällt, worauf sie am meisten abfährt und wie er ihr die schönsten Freuden bereiten kann. Er hat ein bisschen herumprobiert, nur ohne ihre Unterstützung findet er nicht heraus, wie der Sex für beide gut sein kann.

Die Macht des Opfers wird oft unterschätzt. Manche Menschen kultivieren das Verletztsein geradezu. Wegen allem und jedem fühlen sie sich verletzt und bringen dies auch vorwurfsvoll zum Ausdruck. Dies ist nicht selten ein Spiel mit der Macht, denn das Opfer manipuliert den Gesprächspartner durch sein Leiden. Die ursprüngliche Motivation bleibt versteckt: das Opfer möchte die Kontrolle nicht aufgeben. Wenn der Beschuldigte dann geht, weil ihm kein Raum mehr bleibt, wird ihm noch hinterhergerufen, dass er auch daran schuld ist.

Seine Gefühle kennen

Wissen, was Sie fühlen. Es geht weder darum, die Gefühle zu unterdrücken noch sie anderen ungefiltert über den Kopf zu schütten. Das Ziel ist eine saubere Trennung der Gefühle von den Mitteilungen, was nur gelingt, wenn man sich eben dieser Gefühle sehr bewusst ist. Je genauer der Ursprung des Gefühls benannt werden kann, desto weniger „Verletzungen” gibt es. Dies gilt vor allem, wenn der tatsächliche Adressat herausgefunden wird (siehe Chef-Beispiel).

Wissen, was Ihr/e Gesprächspartner/in fühlt. Auch wenn wir über die Opferhaltung gesprochen haben, soll erwähnt sein, dass es nicht um Gefühllosigkeit dem anderen gegenüber geht. Im Gegenteil: Empathie, Mitgefühl, ist eine notwendige Zutat für funktionierende Kommunikation. Häufig kann ein mitfühlender Gesprächspartner sogar mithelfen, ein tieferes Verständnis einer Situation zu erlangen. Ein wichtiger Teil des Verstehens ist die Entwicklung des inneren Beobachters, der Gefühle wahrnimmt, aber nicht mehr mit ihnen identifiziert ist.

Den inneren Beobachter entwickeln. Viele der Grundvoraussetzungen funktionierender Kommunikation haben mit der Fähigkeit zur Selbstbeobachtung zu tun. Eigene Gedanken innerlich klar zu formulieren bevor sie kommuniziert werden, aufmerksam zu Ende zuhören, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen ohne sofort darauf zu reagieren, eigene und fremde emotionale Ladungen erkennen — all dies wird leichter durch die Entwicklung des inneren Beobachters.

Sich nicht von verletzten Gefühlen steuern lassen

Sich nicht mit Gedanken und Gefühlen identifizieren. Der innere Beobachter — auch das „bezeugende Bewusstsein” genannt — ist der Bereich unserer Intelligenz, der sich nicht mit den Vorkommnissen in Denken und Körper, in Geist und Gefühlen identifiziert. Dieses bezeugende Bewusstsein kann man trainieren. Eine sehr alte Technik dieser De-Identifikation ist die Vipassana-Meditation.

Funktionierende Kommunikation ist von innerer Klarheit und eindeutiger Absicht abhängig. Je genauer ich weiß, wie ich mich fühle und was ich davon mitteilen möchte, desto besser kann ich meine Gedanken und Gefühle in der Wahrnehmung meines Gegenübers abbilden. Ziel jeder Kommunikation ist es Verständigung zu erreichen. Je vollständiger die Verständigung, desto besser der Kontakt zwischen den Gesprächspartner.

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