Ehekrise: Bleiben oder gehen? Eine Orientierung für Paare.
Trennung oder Beziehung retten? Und warum Ehekrisen auch persönliche Krisen sind.
Wenn sich ein Paar in einer Ehekrise befindet, ist die Versuchung groß, die Schuld beim Anderen zu suchen. Ohnehin leben wir in einer Kultur, die gerne jemanden schuldig macht. Wenn etwas schief läuft, nicht gelingt, unangenehm ist, gehen wir auf die Suche nach einer Einzelperson, die wir dafür beschuldigen können. In den meisten Fällen fällt die Wahl dabei nicht auf uns selbst, sondern auf die Person neben uns.
Wer ist schuld an der Ehekrise?
Warum sagen wir nicht: „Ich bin schuld“? Das Wort Schuld ist in der christlichen Kultur mit einer enormen Last verbunden. Es enthält die Verantwortung für die Misere der Welt, für die Vertreibung aus dem Paradies. Wir haben ein intuitives Verständnis dafür, dass es ein Körnchen Wahrheit enthält; doch diese Wahrheit ist schwer zu tragen und daher rührt der Wunsch, die Last jemand Anderem aufzubürden.

Je nach persönlichem Lebensverlauf haben wir unser eigenes Paradies bereits während der Schwangerschaft, in den ersten Lebensmonaten oder in der frühen Kindheit verloren.
Es gehört zur Tragik des Menschseins dazu, das Paradies zu verlieren.
Mehr oder weniger unbewusst sehnen wir uns immer nach diesem Paradies zurück. Eine Möglichkeit wie wir ihm näher zu kommen gehofft haben, ist die innige Beziehung zu dem Menschen, in den wir uns verliebt und den wir dann möglicherweise als dauerhaften Lebenspartner gewählt haben. Stellt sich nach einigen Monaten oder Jahren heraus, dass dieser Mensch uns das erhoffte Paradies nicht zur Verfügung stellen kann, werden wir unzufrieden oder unglücklich.
Wegschauen ist keine Lösung für die Ehekrise
Den Weg zurück ins Paradies gibt es nicht. Das wäre der Weg zurück in den Mutterleib. Die Befreiung von den Schwierigkeiten und unangenehmen Gefühlen, denen wir im Lauf unseres Lebens begegnen, ist jedoch nicht durch die Wiederherstellung eines unbewussten Zustandes erreichbar. Vielmehr ist der Blick auf Selbsterkenntnis zu richten und – um in der Bildersprache der christlichen Mythologie zu bleiben – unser eigenes Kreuz aufzunehmen und es bis zum bitteren Ende zu tragen, um dann drei Tage später auferstehen zu können.

Individuelle Kreuzigung: Täglich.
Machen wir es etwas konkreter: Unsere Kreuzigung findet täglich statt. Sie zeigt sich im alltäglichen Kampf ums Überleben.
Egal wie gut wir versorgt sind, besteht ein erheblicher Teil unseres Alltags darin, ums Überleben zu kämpfen. Sei es um die Stelle, die wir innehaben, um ein höheres Gehalt, um neue oder mehr Kunden, um die Vorrangstellung am Markt, um genügend Raum auf der Überholspur, um die Zahlung des Arbeitslosengeldes, um einen Platz in der Kindertagesstätte, darum als Erster an der Supermarktkasse zu stehen, die als nächste geöffnet wird.
Was ist es, was uns in diesen Situationen martert? Sind es tatsächlich die anderen? Ist wirklich zu wenig Platz, zu wenig Geld, zu wenig Sicherheit, zu wenig Versorgung vorhanden? Oder ist es vielmehr unsere eigene Bewertung der Situation, das Getriebensein von Angst, Unsicherheit und der Mangel an Vertrauen ins Leben? Erst wenn wir aus dieser Perspektive auf das schauen, was wir als unsere persönliche Kreuzigung erleben, gibt es einen Weg zur Befreiung.
Individuelle Auferstehung (Befreiung): Täglich!
Dieser Weg ist die Untersuchung der in uns auftauchenden Urteile und Gefühle. Die Gelegenheit dazu bietet sich, sobald wir uns von anderen bedrängt, betrogen, hintergangen, ausgebootet, zurückgestellt usw. fühlen. Genauso wenn wir den Eindruck haben, dass uns etwas vorenthalten werden soll, worauf wir einen Anspruch zu haben meinen (wie zum Beispiel die Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung eines Partners).
Wer ist verantwortlich für unsere Gefühle? Wann immer Gefühle dieser Art auftauchen, haben wir die Wahl ihnen auf den Grund zu gehen oder jemand anderes dafür zu beschuldigen. In all diesen Gefühlen zeigt sich bei gründlicher Untersuchung, dass sie aus einem Gefühl oder einem Gedanken der Minderwertigkeit heraus entstehen.

„Auch zündet man kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter. So leuchte euer Licht vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen [...].“
Wer seine Minderwertigkeitsgefühle durchgearbeitet hat, hat sein Licht wieder auf den Leuchter gestellt. Dies befähigt ihn, Anderen durch sein Wirken hilfreich zu sein.
Wir können also beginnen uns selbst zu erforschen, ob wir in uns einen echten Beweis unserer Minderwertigkeit finden. (Er wird kaum zu finden sein... .) Oder wir können sagen:
„Du bist schuld!“ und damit eine Trennung herbeiführen. Diese Trennung wird im Anfang nur von kurzer Dauer ist, wenn wir sie jedoch oft genug wiederholen, führt sie zu einer Beendigung der Beziehung. Mit dem Ende der Beziehung wird nur offensichtlich, dass wir zuvor die Beziehung zu uns selbst verweigert haben.
Eine Ehekrise ist auch eine persönliche Krise

Der Weg, eine Ehekrise zu beenden ist also immer ein Weg zu sich selbst. Erst wenn es wenigstens einem von beiden gelingt, die Spirale von Schuld und Vorwurf, Angriff und Gegenangriff zu stoppen, ist ein Ende der Krise möglich. Nur wenn sich wenigstens einer von beiden bemüht, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten um die eigenen Minderwertigkeitsgefühle aufzulösen, ist ein Neuanfang gegeben.
Dieser Neuanfang ist ein individueller, d.h. er betrifft das Individuum, das sich der Mühe der Umkehr unterzogen hat. Inwieweit dies den Partner ergreifen wird und dazu animiert einen eigenen inneren Umkehrprozess zu vollziehen ist nicht vorhersehbar. In gewisser Weise ist es also notwendig, die Beziehung aufzugeben, um sie gewinnen zu können.
Ehekrisen entstehen nur scheinbar plötzlich. Oft geht ihnen ein schleichender Prozess der Entfremdung voraus. „Wir haben uns auseinandergelebt” sagen Paare dann. Man könnte sagen, dass aus nicht gelösten Eheproblemen früher oder später zwangsläufig Ehekrisen werden.
Wie man Ehekrisen meistert und welche Probleme Paare zu bewältigen haben, schildern die Artikel in dieser Sammlung aus unterschiedlichen Perspektiven.
Wir streben alle nach Glück und für die meisten Menschen gehört zum Glück eine zufriedene Partnerschaft zu führen. Eine glückliche Ehe zu führen ist ein Ziel, dass viele Menschen verfolgen. Für die wenigsten ergibt es sich von selbst, dass ihre Ehe harmonisch und liebevoll verläuft.