Effizienz

ToDo-Listen löschen

Todolisten sind die modernen Sklaventreiber. Wie viele Gemeinheiten, die früher von außen mit Gewalt durchgesetzt werden mussten, gehören sie zu den verinnerlichten Zwängen unseres Lebens, die wir zu selten in Frage stellen. Der Glaube an Effizienz als höchste Leitlinie des menschlichen Handelns macht uns nicht menschlicher. Die Todoliste ist das knechtende Ergebnis des Wunsches, aus jedem Fitzelchen Zeit und aus jeder eigenen Bewegung das Optimum herauszuholen. Unser gesellschaftliches Leben ist vom Effizienzgedanken durchdrungen.

Gelassenheit im Alltag

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Todolisten sind die modernen Sklaventreiber. Wie viele Gemeinheiten, die früher von außen mit Gewalt durchgesetzt werden mussten, gehören sie zu den verinnerlichten Zwängen unseres Lebens, die wir zu selten in Frage stellen.

Der Glaube an Effizienz als höchste Leitlinie des menschlichen Handelns macht uns nicht menschlicher. Die Todoliste ist das knechtende Ergebnis des Wunsches, aus jedem Fitzelchen Zeit und aus jeder eigenen Bewegung das Optimum herauszuholen.

Unser gesellschaftliches Leben ist vom Effizienzgedanken durchdrungen. Er ist so allgegenwärtig, dass wir blind für seine Folgen geworden sind. Dabei okkupiert er mittlerweile Bereiche, in denen er nichts zu suchen hat: Kindergärten und Grundschulen, Alten- und Pflegeheime, Alltag in den Familien.

„Ich stelle Effizienz als erste gesellschaftliche Leitlinie in Frage.” Henning Matthaei

Dabei handelt es sich bei der Suche nach Effizienz um eine Variante von „Des Kaisers neue Kleider”. Wir machen uns vor, mehr zu erledigen, aber wir verlieren gleichzeitig die Möglichkeit unserem Handeln Tiefe und Bedeutung zu geben.

To do or not to do?

Wir schreiben trotzdem munter immer mehr auf unsere Todolisten. So entstehen Speicher des schlechten Gewissens. Ein Klient meinte dazu: „Ich habe gar nicht gemerkt, wie all die Aufgaben zu meinen Pflichten geworden sind.”

Auf Todolisten landet immer zuviel. Meist nehmen sie ungefiltert alles auf, von dem unser sprunghafter Geist einmal gedacht hat:
„Das wäre schön zu haben.”
„Das ist auch wichtig.”
„Das muss ich noch machen.”

Und dann wird die Liste, mangels Priorisierung, lang und länger. Für jedes abgearbeitete Pünktchen kommen drei neue Ideen dazu.

Die Unterscheidung von wichtigen und dringenden Aufgaben beschreibt Ivan Blatter in seiner ausführlichen Darstellung der Eisenhower Matrix.

Todo-Listen löschen. Es lebe das Wesentliche, nicht das Dringende.

Das Wesentliche identifizieren

Auch ohne gleich ein neues System zu lernen: Solange wir nicht bewusst mit der Absicht unsereres Handelns umgehen, wird die versteckte Agenda der Effizienzidee erfüllt. Effizienz ist allerdings ein technischer Begriff, kein menschlicher.

Die Grundidee der Effizienz ist das Gleichförmig-Machen von Abläufen, um eine reibungslose Wiederholbarkeit zu gewährleisten. Zu deutsch: Es wird echt langweilig, wenn man sich nur um Effizienz kümmert.

Die PISA-Studien, die das Leben der jüngsten Schüler seit einigen Jahren unnötig erschweren, sind von der OECD in Auftrag gegeben. Die OECD ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa. Warum haben wir die Hoheit über die frühkindliche Erziehung an wirtschaftliche Interessen abgegeben? Langeweile wird dann pathologisiert und heißt Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Wir sollten unsere Kinder spielen lassen. Spielen ist lernen.

Man nehme: Zeit für Priorisierung

Gehen wir doch selbst einmal durch unsere Todolisten durch und prüfen:

  • Wem nutzt die Erfüllung dieser Aufgabe?
  • In welchem Kontext meiner eigenen Werte und Ziele steht sie?
  • Erfülle ich damit meinen eigenen Plan oder einen fremden?
  • Was ist das Wesentliche in meinem Leben, das durch meine Tätigkeiten erreicht werden soll?
  • Habe ich noch andere Wünsche außer „es zu schaffen” oder „fertig zu werden”?
  • Habe ich ein System, nach dem Aufgaben auch wieder von der Liste gelöscht werden dürfen (eine Art Aufgaben-Verfallsdatum beispielsweise)?

Todolisten vom Kopf auf die Füße stellen

  1. In welchem Gemütszustand möchte ich die meiste Zeit meines Lebens verbringen?
    Zur Auswahl stehen hier erstmal Gelassenheit und Getriebenheit. Sie dürfen aber auch etwas Eigenes erfinden…
  2. Welche Menschen unterstützen mich dabei?
  3. Was kann ich tun, um mit diesen Menschen möglichst viel Zeit zu verbringen?
  4. Welche Projekte unterstützen mich dabei?
  5. Was kann ich tun, um diese Projekte voranzubringen?

Diese Vorgehensweise könnte manche Todoliste von der Pflichtlektüre zum Genussmittel machen.

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